Bildquelle: ©Rolex/Alain Costa

An der Börse verdient jeder Langfristanleger nachweislich mit Blue-Chips gutes Geld. Wenn Sie aber nun noch einen Uhrentick haben, dann ist es schwer, an einem etwas besonderen Investment einfach vorbeizugehen. Quasi der Depotanteil am Arm – wie das geht und was es zu beachten gilt.

Alle Welt spricht von den Niedrigzinsen und der Suche nach Investment- Alternativen. Die gibt es – auch abseits der Börse. Nur sollte man etwas von der Materie wissen. Stichwort „Investment in Uhren“. Das klingt auf den ersten Blick so richtig verlockend. Wir brauchen dafür schließlich kein Depot und keine Garage oder derartiges. Vielleicht einen Safe, aber das sollte machbar sein. Bis Sie jedoch den „Uhren-Klunker“ haben, braucht’s doch ein bisschen Expertise. Denn: Es geht bei dem Uhren-Investment nur bedingt um technischen Qualitäten und Komplikationen.

A. Lange & Söhne Tourbograph Perpetual “Pour le Mérite” (Bild: Compagnie Financière Richemont S.A.)

Das klingt komisch, ist aber so – würde unser geliebter Peter Lustig sagen. Vielmehr müssen Sie das Thema Uhren wie Kunst angehen. Schon Vincent van Gogh hatte erkannt: „Ich mache mir immer wieder Vorwürfe, dass meine Malerei nicht wert ist, was sie kostet.” Sprich, der Markt sagt, was er gut findet und entsprechend ist der Preis. Eines kann man quasi als simple Erkenntnis im Hinterkopf behalten: Neue Uhren kommen nur in Ausnahmefällen für eine Kapitalanlage in Frage. Und man sollte sich ebenso klarmachen, was der Uhrenmarkt an Umsatz macht:

Weltweit werden Jahr für Jahr Milliardenbeträge mit Uhren umgesetzt. Allein die Schweiz exportierte in den vergangenen Jahren über 15 Mrd. Euro p.a. an Uhren. Wer das Thema „Uhren-Investment“ einmal ruhig und seriös angehen will, der sollte die „Baselworld“, die weltgrößte Messe für Uhren und Schmuck in der Schweiz besuchen. Und wer nicht in die Schweiz reisen möchte, hat vielleicht Zeit, im Internet auf www.chrono24.de zu gehen. Chrono24 ist nach ebay eigenen Angaben zufolge weltweit der zweitgrößte Marktplatz dafür. Uhren im Wert eines dreistelligen Millionenbereichs werden dort im Jahr gehandelt. Ein bisschen ist es dort wie an der Börse – bis zu 10 Prozent Wertsteigerung in drei Jahren ist da durchaus möglich. Aber wie gesagt, nach wie vor ist ein Uhren-Investment mit viel Know-how verbunden. Man sollte sich zudem immer bewusst sein: Nobeluhren gehören zu Sweetheart-Investments. Das bedeutet, dass Sie als Uhren-Investor Spaß an der Sache haben sollten.

IWC Big Pilot’s Watch Edition „Le Petit Prince“ (Bild: Compagnie Financière Richemont S.A.)

Simpel gesagt haben Sie Rendite mit einer Uhr, wenn Sie diese Formel beachten: Nobler Markenname ungewöhnliche Technik dürfte ein begehrtes Sammlerstück und damit ein gutes Investment ergeben. Ist eine solche Uhr dann auch noch limitiert und selten am Markt, dürfte die Wertsteigerung sicher sein. Ein Beispiel, das jeden Aktienanleger durchaus einmal ganz tief durchatmen lässt:

Der Chronograph von Patek Philippe (Referenz 1463) hat im Zeitraum 1961 und 2007 um das sagenhafte 400-fache an Wert zugelegt. Natürlich sind dies 50 Jahre lang, aber eine Patek Philippe ist auch eine Generationen-Uhr.  Das Unternehmen hat nicht umsonst den Slogan „Wahre Schönheit währt ewig.“ Ein Klassiker unter den Uhren ist sicherlich auch die Rolex Pre-Daytona Ref. 6238/39 aus 1967 – die Uhr mit dem legendären Paul-Newman-Zifferblatt. Vor vielen Jahren wollten nur wenige Uhrenfreunde diesen Stahl-Chronographen kaufen, der dem bekannten US-Schauspieler gewidmet war. Zu D-Mark-Zeiten war „das Ding“ für wenige 1000 Mark zu haben. Der Uhrenfan verschmähte diese Rolex. Heute sind die Paul-Newman-Daytonas weltweit gesuchte Sammlerstücke, für die auf Auktionen 50.000 Euro und mehr gezahlt werden.

Der Cosmograph DAYTONA mit dem sogenannten „PAUL NEWMAN“ Zifferblatt (Bild: ©Rolex/Jean-Daniel Meyer)

Experten sehen heute Potenzial unter anderem bei der italienischen Kultmarke Panerai. Der weltweite Fanclub dieser Uhren ist groß. Diverse ältere Modelle weisen bereits jetzt signifikante Preissteigerungen auf. Unser Fazit: Der Uhrenmarkt ist spannend und renditenreich zugleich. Dennoch sollte jeder wissen, dass dieser Markt auch unberechenbar ist und auch ein wenig transparenten Zyklen unterliegt. Sie bewegen sich als Sammler in einem kleinen Bermuda-Dreieck – zwischen Marktwert, persönlichem Wert und dem uhrmacherischen Wert. Ein schwieriges Gebiet. Das Beispiel der Rolex Daytona zeigt auf, dass es extrem schwierig ist, gute Investments frühzeitig zu erkennen. Hinzukommt die Tatsache, dass jeder Investor erst einmal keine „Dividende“ oder „Zinsen“ regelmäßig erhält, dafür aber wiederum Folgekosten für Wartung, Reparaturen und die sichere Aufbewahrung der guten Stücke berücksichtigen sollte.

Ein Uhreninvestment lohnt sicher daher wohl vor allem für Menschen, die ein hohes Maß an Affinität für die Zifferblätter am Arm mitbringen.

Dieser Beitrag ist ein Stück aus Edvideo – dem Quartals-Magazin für Geldanlage und Lebensart. Erhältlich am Kiosk, als Online-Ausgabe oder im Abo.

Bilder: Compagnie Financière Richemont S.A. / ©Rolex/Alain Costa u. Jean-Daniel Meyer

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